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Morning Briefing Monitor

Bitcoin – Hype und Skepsis gehen Hand in Hand

Ob skeptisch, gierig, begeistert oder ratlos – alle Welt sieht zu, wie die Digitalwährung Bitcoin von einem Rekord zum nächsten jagt. Bei Wertsteigerungen von rund 1700 Prozent innerhalb eines Jahres träumt selbst jemand, der mit Aktien, Gold und anderer Zockerei sonst nichts am Hut hat, schon einmal vom leicht verdienten Bitcoin-Reichtum. Es gibt sogar schon die ersten Bitcoin-Milliardäre.

Befreit man sich jedoch von dem belastenden Gefühl, dass einem mit jeder Sekunde eine einmalige Chance durch die Lappen geht, ergibt sich ein differenzierteres Bild der Lage. Nicht einmal jeder fünfte Teilnehmer des aktuellen Handelsblatt Monitor glaubt, Technologie, Risiken und den Handel mit Bitcoin richtig zu verstehen.

Digitalwährungen sind noch jung und weder in Krisen noch als Anlageinstrument wirklich erprobt. Dementsprechend wenige Erfahrungswerte gibt es. Die US-Börsenaufsicht CFTC hat jetzt grünes Licht für die ersten Bitcoin-Terminkontrakte gegeben, andere Anlageprodukte wie ETFs sind schon im Gespräch.

Schaut man auf den Handelsblatt Monitor, könnte die Akzeptanz solcher Produkte durchwachsen sein. Während 19 Prozent der Umfrageteilnehmer bereits in Bitcoin investieren, würden nur sieben Prozent einen solchen Terminkontrakt in Erwägung ziehen. Dafür könnten sich 21 Prozent vorstellen, in einen Bitcoin-ETF zu investieren.

Grundsätzlich gewähren die Umfrageteilnehmer der Kryptowährung jedoch keinen großen Vertrauensvorschuss. Jeder zweite Teilnehmer hält Bitcoin zwar für eine gute kurzfristige Geldanlage, doch nur 15 Prozent glauben, dass sie sich auch als langfristiges Anlageinstrument eignen.

Und was ist mit Bitcoin als Krisenanlage? Seit ihrer Entstehung wurden sie immer wieder als mögliche Alternative zum Gold genannt. Beide Währungen sind unabhängig vom Papiergeld und nur in begrenzter Menge verfügbar – Gold durch das natürliche Vorkommen, Bitcoin durch den Algorithmus, der ihre Zahl begrenzt. So hoffen einige Marktteilnehmer, dass die Digitalwährung sich als krisenresistent erweist und auch nicht auf die geldpolitischen Einflüsse der Notenbanken reagiert.

Umso interessanter ist es, dass nur ein Viertel der Teilnehmer des Handelsblatt Monitor Bitcoin für eine gute Absicherung gegen Banken- und Finanzkrisen hält. Dass die Währung technisch anders funktioniert als eine Papierwährung scheint die wenigsten davon zu überzeugen, dass Bitcoin ein sicherer Hafen sind. Solange die Volatilität erheblich ist und Emotionen den Handel treiben, wird das Vertrauen kaum wachsen.

Knapp zwei Drittel der Befragten halten Bitcoin immerhin für ein geeignetes Zahlungsmittel. Alltagstauglich ist die Kryptowährung jedoch auch als solche nicht. Die Bitcoin-News-Plattform BTC Echo listet in der deutschen Finanzhauptstadt Frankfurt gerade einmal drei Akzeptanzstellen, in der etwas experimentierfreudigeren Bundeshauptstadt Berlin ebenfalls schwache 26.

Wer das Gefühl hat, jetzt noch schnell auf den Bitcoin-Zug aufspringen zu müssen, um die Rally nicht komplett zu verpassen, der handelt schon in der Erwartung, dass bald auch die Ernüchterung kommt. Dann lieber gleich die Finger davon lassen, finden die Teilnehmer des Handelsblatt Monitor.

Die Umfrage unter 3.718 Teilnehmern fand vom 5. bis 6. Dezember 2017 statt.