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Morning Briefing Monitor

Digitalisierung: Darwinismus am Arbeitsmarkt

Vor einigen Jahren galt der Neid der Arbeitsbevölkerung noch vor allem den Billiglohnländern. Fabriken, Callcenter und andere Arbeitsplätze verschwanden nach China, Indien und Co. Heute sind Computer zu den größeren Konkurrenten um einen Arbeitsplatz geworden.

57 Prozent glauben, dass es in ihrer Branche durch die Digitalisierung weniger Arbeitsplätze geben wird.
57 Prozent glauben, dass es in ihrer Branche durch die Digitalisierung weniger Arbeitsplätze geben wird.

57 Prozent der Teilnehmer des aktuellen Morning Briefing Monitors glauben, dass in ihrer Branche durch die Digitalisierung tendenziell weniger Arbeitsplätze geben wird. Ihr eigener Job wird indes immer schwieriger: 86 Prozent sagen, dass die Anforderungen an ihre Arbeit tendenziell steigen. Big Data, die Cloud, Social Media und unzählige andere Bereiche verändern sich ständig und werden dabei für den Arbeitsalltag immer wichtiger.

Keine Branche bleibt von der Digitalisierung unberührt, doch es gibt große Unterschiede zwischen ihnen. Zwei von fünf Teilnehmern aus der Banken- und Versicherungsbranche glauben, dass die Digitalisierung ihre Branche radikal verändern wird. Doch nur maximal jeder fünfte Teilnehmer aus der Chemieindustrie, dem öffentlichen Dienst und der Bau- und Bauzuliefererbranche teilt diese Meinung.

Die Erwartungen an die Digitalisierung sind auch altersabhängig. Je jünger die Teilnehmer des Morning Briefing Monitors, desto eher rechnen sie mit radikalen Veränderungen durch die Digitalisierung. "Digital natives" sind ständig am Puls der Zeit. Wer das Ausmaß der Veränderungen letztendlich richtig eingeschätzt hat, wird jedoch erst die Zeit zeigen.

Auffällig ist, dass Teilnehmer zwischen 50 und 59 Jahren laut der Umfrage am häufigsten wirtschaftliche Umbrüche aufgrund der Digitalisierung befürchten. Jüngere Teilnehmer, aber auch Befragte über 60 haben seltener solche Befürchtungen. Wer in dieser Altersgruppe ist, hat sich häufig über Jahrzehnte spezialisiert und will auch gerne noch ein paar Jahre weiter arbeiten. Doch aufgrund des digitalen Wandels fällt langjährige Erfahrung plötzlich zuweilen weniger ins Gewicht als digitale Kompetenzen. Wenige Jahre vor der Rente ist das ein unschönes Gefühl.

Bei allen Fragezeichen und Problemfeldern bietet die Digitalisierung vielen Arbeitenden jedoch Erleichterung und den Mutigen Chancen. 94 Prozent der Teilnehmer des Morning Briefing Monitors sehen durch sie Potenzial für eine Verbesserung von Arbeitsabläufen und 89 Prozent erwarten, dass Arbeitszeiten und –Ort künftig immer flexibler werden. Das Homeoffice ist für viele verlockend, die weniger Zeit im Pendlerstau verbringen wollen, und oft bietet die Digitalisierung Möglichkeiten, Beruf und Familie besser zu vereinen.

94 Prozent der Teilnehmer unter 30 glauben, dass der Alltag durch die Digitalisierung einfacher wird.
94 Prozent der Teilnehmer unter 30 glauben, dass der Alltag durch die Digitalisierung einfacher wird.

Nicht nur bei der Arbeit hoffen die Umfrageteilnehmer auf positive Veränderungen: 78 Prozent erwarten durch die Digitalisierung tendenziell eine Vereinfachung des Alltags. Doch auch hier sehen die Meinungen je nach Altersklasse ganz unterschiedlich aus. 94 Prozent der Teilnehmer unter 30 glauben, dass der Alltag durch die Digitalisierung einfacher wird. Diese Meinung teilen nur 73 Prozent der Teilnehmer zwischen 50 und 59 und 68 Prozent der Teilnehmer über 60. Was für manche eine Vereinfachung ist, ist eben für andere manchmal das genaue Gegenteil: Ob sich in einem Chatroom für eine Firma nun besser kommunizieren lässt als ganz klassisch am Telefon, dürfte in vielen Teams umstritten sein.

Wandel und Innovation werden in der nächsten Zeit noch schneller vonstattengehen. 92 Prozent der Umfrageteilnehmer sehen Chancen für neue Geschäftsideen. Aus diesen entstehen auch neue Jobs - dass in brandneuen, digitalen Geschäftsfeldern die Anforderungen an Arbeitskräfte besonders hoch sind, versteht sich von selbst.

Die Entwicklungen am Arbeitsmarkt zum Beginn des digitalen Zeitalters rufen Charles Darwin in Erinnerung: Hier überleben die, die sich am besten anpassen können. Wer das nicht schafft, fühlt sich schnell aussortiert; für die anderen ist die Digitalisierung eine riesige Chance.

Die Umfrage unter 5021 Teilnehmern fand vom 24. bis 27. März 2017 statt.