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Morning Briefing Monitor

Kunden sind zufrieden, Anleger nicht

Deutsche Banken haben an vielen Fronten zu kämpfen: niedrige Zinsen, eine immer strengere Regulierung, und im internationalen Vergleich schneiden sie besonders schlecht ab. Der aktuelle Handelsblatt Monitor zeigt, dass sie sich um ihre Kunden deshalb keine Sorgen machen müssen. Ihre Investoren hingegen sind alles andere als zufrieden.

Die Niedrigzinsphase dauert nun schon seit Jahren an, und ein Ende ist nicht klar in Sicht. Eine so lange Zeit können Banken nicht einfach aussitzen wie ein Bauer eine schlechte Ernte. Niedrige Zinsen belasten die Margen deutscher Banken – eine Gefahr für die Bilanzen und infolgedessen auch für die Aktienkurse der Institute. Kein Wunder also, dass die Mehrheit der Umfrageteilnehmer (57 Prozent) nicht in Banken investiert ist und das auch nicht in Erwägung zieht.

Bankkunde sein ist jedoch nicht das gleiche, wie in sie zu investieren: Die Teilnehmer des Handelsblatt Monitor halten es offenbar nicht für nötig, als Kunde den Trends im Bankensektor voraus zu sein.

Zwar glaubt fast die Hälfte der Befragten, dass Direktbanken in den nächsten Jahren die Gewinner am deutschen Bankenmarkt sein werden, und tatsächlich steigt die Zahl ihrer Kunden in Deutschland seit Jahren stetig. Doch nur 19 Prozent der Umfrageteilnehmer haben bei einer solchen ihre Bankverbindung.

Indes glauben 35 Prozent, dass Sparkassen und Volksbanken die Verlierer am Markt sein werden, die Hälfte der Teilnehmer führt jedoch dort ihr Hauptkonto. Kein Wunder – immerhin 70 Prozent sind mit ihrer Hausbank zufrieden und würden sie auch weiterempfehlen.

Das zeugt von einer gewissen Treue zur eigenen langjährigen Hausbank, doch für Verbraucher gibt es auch Grenzen. Sollten Banken aufgrund der Niedrigzinsen und ihrer schlechten Gewinnsituation nicht umhinkommen, Strafzinsen auf Einlagen zu erheben, könnte sie das viele Kunden kosten.

50 Prozent der Befragten würde die Bank wechseln, wenn ihre Hausbank Strafzinsen einführte. Nur sechs Prozent würden sich das gefallen lassen und trotz Negativzinsen ihre Ersparnisse auf einem klassischen Konto lassen. Die übrigen würden ihr Geld stattdessen in renditebringende Produkte investieren, wenn sie es nicht ohnehin schon längst tun.

Den Imageschaden aus der Finanzkrise hat die Bankenbranche bis heute nicht überwunden. Ein Drittel der Befragten glaubt, dass die Institute zu sehr auf den eigenen Vorteil aus sind und die Interessen der Kunden missachten. Das ist für sie der Hauptgrund, warum die deutschen Institute im internationalen Vergleich so schlecht abschneiden – noch mehr als ihre hohen Kosten (18 Prozent) oder Fehler des Managements (17 Prozent).

Die Herausforderungen für deutsche Banken sind klar: Sie brauchen zukunftsfähige Geschäftsmodelle, die weniger auf dem Zinsgeschäft basieren und voll digitalisiert sind. So halten sie ihre Kunden bei der Stange und gewinnen auch ihre Anleger zurück.

An der Umfrage nahmen 548 Handelsblatt-Leser teil.