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Morning Briefing Monitor

Vorsicht, aber keine Panik

Morning Briefing Monitor

83 Prozent der Befragten sehen tendenziell pessimistisch in eine Zukunft mit Trump.

Die deutsche Wirtschaft lässt sich von Ausnahmepräsident Donald Trump nicht nervös machen, zeigt der erste Morning Briefing Monitor. Zwar sagen 83 Prozent der Umfrageteilnehmer, dass sie den nächsten vier Jahren unter dem neuen US-Präsidenten einigermaßen oder vollkommen pessimistisch entgegensehen. Dennoch glaubt über die Hälfte, dass die europäische Wirtschaft stark genug ist, negativen Einflüssen durch Trumps Politik standzuhalten.

Noch setzen die Märkte darauf, dass Trump erfolgreich eine wirtschaftsfreundliche Politik betreiben wird. Zwar haben Entscheidungen und Pläne der neuen US-Regierung schon mehrmals zu heftigen Kursausschlägen am Aktienmarkt geführt, doch seit dem Wahltag ist der amerikanische Leitindex S&P 500 insgesamt um über acht Prozent gestiegen, der Dax sogar um zwölf Prozent (Stand 13.2.2017). Dennoch waren gerade Mitarbeiter aus der Finanzindustrie im Morning Briefing Monitor überdurchschnittlich pessimistisch im Hinblick auf die kommenden vier Jahre. Die Rally hält zwar an, doch gerade in der Finanzbranche weiß man offenbar, wie schnell diese auch wieder vorbei sein kann.

Die große Frage für deutsche Unternehmen lautet jetzt: Wie stark verändert sich der Welthandel in der Ära Trump? Der US-Präsident steht der Geschäftswelt grundsätzlich nahe, flirtet aber gleichzeitig offen mit dem Protektionismus. Immer wieder ist von Grenzabgaben und Strafzöllen die Rede: Amerikaner sollen Produkte „made in America“ konsumieren. Produzieren Unternehmen weiter massiv im Ausland, was sie später nach Amerika verkaufen, sollen zusätzliche Abgaben an der Grenze anfallen, die Produkte in den USA verteuern würden. Nicht nur das verarbeitende Gewerbe macht sich Sorgen: „Ich bin Wissenschaftler und in der Pharmazie, einem patentgetriebenen Bereich, tätig. Hier wäre jede Form des Protektionismus eine Katastrophe“, sagt ein Teilnehmer des Morning Briefing Monitors.

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27 Prozent sagen, dass ihr Arbeitgeber über Veränderungen nachdenke.

Deutsche Firmen halten sich in dieser Situation dennoch erst einmal bedeckt. 48 Prozent der Umfrageteilnehmer sagten, dass sich bei ihrem Arbeitgeber oder im eigenen Unternehmen vorerst gar nichts durch die US-Politik ändert. Weitere 27 Prozent sagten, dass man zwar über Veränderungen nachdenke, aber erst einmal abwarten wolle. Gerade im verarbeitenden Gewerbe ist das Bewusstsein offenbar groß, dass Veränderungen nötig werden könnten: 37 Prozent der Umfrageteilnehmer aus dieser Branche berichten, dass man an ihrem Arbeitsplatz über Veränderungen nachdenke. Trump verunsichert deutsche Unternehmen nicht, er macht sie vor allem vorsichtig.

Diese abwartende Haltung hat nicht zuletzt damit zu tun, dass viele erst beobachten wollen, wie viele seiner Ankündigungen Trump überhaupt wahr macht. „Ich halte Trump für eine Kommunikations- und Ankündigungsmaschine und denke, dass sowohl Kräfte im Weißen Haus als auch die US-Gewaltenteilung mäßigend und korrigierend eingreifen werden“, schreibt ein Teilnehmer des Morning Briefing Monitors. Eine Reihe von Befragten zweifelt sogar daran, dass Trump seine vierjährige Amtszeit durchhalten kann.

Doch egal wie erfolgreich Donald Trump seine Pläne durchsetzt, die deutsche Wirtschaft will sich nicht von den Launen Amerikas bestimmen lassen. 85 Prozent der Befragten glaubt, dass die Europäische Union jetzt außenpolitisch energischer auftreten und gleichzeitig ihre gemeinsame Wirtschaftspolitik stärken muss. Eine große Mehrheit glaubt, dass Deutschland dabei eine führende Rolle übernehmen sollte. „Europa sollte endlich dazu übergehen, ein gemeinsames wirtschaftliches Profil zu entwickeln, das alle Sektoren und Geschäftsmodelle umfasst“, sagt ein Umfrageteilnehmer.

Die Umfrage unter 7607 Teilnehmern fand vom 10. bis 13. Februar 2017 statt.